Qi Gong, Yiquan

ein System der daoistischen Gesundheits- und Lebenspflege

Im alten China bezeichnete man jene Menschen, die mit der Natur im Einklang leben wollten, als Daoisten (bzw. Taoisten) oder „Schüler des Weges“ einer Lebensweise, die ihre Wurzeln in der Philosophie des Weisen Laotse hat. Die Daoisten glauben, daß Die höchste Lebensstufe jene ist, in der Körper und Geist in Einklang mit ihrer natürlichen Bestimmung handeln dürfen. Sie glauben, daß Krankheit und vorzeitiges Altern entstehen, wenn ein Element des täglichen Lebens in Gegensatz zur natürlichen Ordnung stehen, und wenn man diese Element in Ordnung brächte, würden sich Krankheiten selbst heilen und weitere vermieden. Genaugenommen wurde diese Philosophie nicht von Laotse allein entwickelt. Sie war vielmehr das Ergebnis alten chinesischen Denkens, das sich schon lange bevor Laotses Schriften erschienen entwickelt hatte. Diese Vorstellungen wurden später systematisiert und einer bestimmten Quelle zugeschrieben, die uns heute als Laotse bekannt ist, der vermutlich nicht eine echte Person war, sondern das Symbol eines über Jahrhunderte gesammelten Wissens das auf Naturbeobachtung basiert.

Als die Daoisten der Frage nachgingen, was das Wichtigste sei, wenn man ein Leben im Einklang mit dem Rhythmus der Natur leben wollte, stießen sie auf das zentrale Konzept der Lebensenergie Qi (auch Chi oder Ki genannt), der 5 Elemente und der Polarität der Kräfte als Yin und Yang. Während die westliche Medizin nur zwei Steuerrungssysteme anerkennt und behandelt – die Nerven und das über Blutgefäße agierende Hormonsystem kannten die Daoisten ein drittes System: Das Energienetz der Meridiane in denen die universelle Lebensenergie Chi zirkuliert. Traditionelle Heilmethoden in China, Korea und Japan betrachten die Meridiane als wichtigstes funktioanales Netz im menschlichen System, als den entscheidenden Faktor für die Gesundheit, mit dem man sich bei der Behandlung von Krankheiten als erstes und in der Hauptsache beschäftigen muss.

Würden wir uns wie die Tiere bewegen und atmen, so dachten die Daoisten, könnten auch wir Krankheiten vermeiden und unsere Jahre in Gesundheit verbringen. Damit legten Sie den Grundstein für Dao Yin (japanisch: Do In) welches vermutlich eine der ursprünglichen Quellen der heute auch im Westen bekannten Künste wie Qi Gong, Tai Chi Chuan, Aikido, Shiatsu oder Akupunktur ist.

Qi Gong

Qi Gong ist der Oberbegriff für ein großes Spektrum an körperlich/geistigen Übungsmethoden zur Stärkung der Lebensenergie Qi. Diese beinhalten, gesundheitsfördernde Körperhaltungen, Bewegungs-, Kräftigungs- und Dehnungsübungen, Atem-, Selbstmassage-, Akupressur-, Energieübertragungs- und Meditationstechniken. Es gibt verschiedene Formen von Qi Gong. Diese können grob in vier Gruppen eingeteilt werden:

  • Nach der Schulrichtung: medizinische, buddhistische, daoistische, konfuzianistische und die Box-Schule.
  • Nach der Verwendung: Medizin, Gesundheitsvorsorge und Kampfkunst.
  • Nach den Formen: Bewegungs- und stilles Qi Gong.
  • Nach der Methode: es gibt sehr viele.

Gemeinsam ist allen Qi Gong – Richtungen, dass sie Atmung mit Körperhaltung und gelenktem Bewusstsein (Yi) verknüpfen. Uns westlichen Menschen können diese Techniken insbesondere bei der Körpererfahrung und der Entspannung helfen. Wer Qi Gong täglich durchführt, kann sich physisch und psychisch bestens trainieren und hat eine gute Chance, gesund zu bleiben. Man wird bei regelmäßigem Üben sehr bald eine Aufhellung der Stimmung bemerken und mehr Ruhe und Gelassenheit im Alltag gewinnen. Die allgemeine Lebensqualität verbessert sich!

Was ist Yiquan?

Im Jahre 1925 entwickelte Wang Xiangzhai (1886-1963), ein berühmter Meister des chinesischen Boxens auf Basis essenzieller und bis dahin geheimgehaltener Inhalte der inneren Kampfkünste so wie uralten Meditationstechniken, körperlich /geistigen Gesundheitsübungen (Qi Gong) und philosophischen Ansätzen aus dem Reich der Mitte, die „Boxkunst des Geistes“ Yiquan (sprich I-Tschuan).

Er fasste viele verschiedene Übungen zusammen, ließ Überflüssiges weg und konzentrierte sich auf das Wesentliche dieser Künste.

Die Besonderheit des Yiquan liegt in der Kombination aus Meditationsübungen in stehenden Positionen, bei denen der Meditierende seine Aufmerksamkeit auf die kleinen, subtilen Bewegungen seines Körpers richtet.

Weitere Trainingsinhalte sind Gehmeditation und bewegte Qi Gong – Übungen die langsam, fließend und entspannt durchgeführt werden. Nach einer anfänglichen Nachahmungsphase werden diese Übungen durch Yi , d.h. mit Hilfe bestimmter Vorstellungen in einem geistigen Zustand geübt, der zwar durch das Bewusstsein gesteuert ist, aber auf tiefer liegende mentale Ressourcen zurückgreift, die sich ansonsten nicht direkt über bewusste gedankliche Bewegungskoordination ansteuern lassen.

Voraussetzung dafür, dass die Übungen eine Wirkung zeigen, die durch die “nackte” Bewegung allein nicht möglich sind. Ein einfaches Beispiel hierfür ist Vorstellung, im Wasser bzw. am Boden eines tiefen Sees zu üben. Dynamische und gymnastische Kampfkunstübungen, die mit und ohne Trainingspartner ausgeführt werden können, runden das Spektrum ab.

Die Partnerübungen haben die Aufgabe, die Sensibilität für den Einsatz von unterschiedlichen Kraftflüssen zu schulen und unsere Arme als Antennen zu benutzen. Dabei lernt man im ersten Kontakt in der Nahdistanz situationsentsprechend zu reagieren (die taktilen Reflexe verbessern). Man lernt, wie man auf vorhandene Druckverhältnisse automatisch reagiert und die Kraft des Gegners kontrolliert, umleitet oder neutralisiert.

Hier verschmelzen Meditation, „Fitness“, Körpertherapie, Selbstverteidigung und Lebenspflege zu einem sinnvollen Ganzen. Indem Yiquan diese Aspekte verbindet, wird es zum einem der wertvollsten Kampfkunst-, Meditations- und Qi Gong-Systeme Chinas.

“Das Gewöhnliche ist das Außergewöhnliche” 
– (Wang Xian g-Zhai 1885-1963)

“Y i q u a n
löst den Stress auf
stärkt die Immunkräfte
steigert das Wohlbefinden
stabilisiert das Nervensystem
bringt die Lebensenergie zum Fließen
bringt Körper und Geist ins Gleichgewicht
schafft Erleichterung bei chronischen Erkrankungen
In der Bewegung bist du ein Tiger,
in der Ruhe ein schlummernder Drache.”

– (Wang Xiang-Zhai 1885-1963)

“Y i q u a n
verbessert die Reflexe
stärkt die Haltemuskulatur
verbessert die Körperhaltung
erhöht die Bewegungsintelligenz
steigert die Koordination und Mobilität
ist eine „sanfte“ Methode der Selbstverteidigung
beseitigt muskuläre Disbalancen der Bewegungsmuskulatur
lehrt natürliche Bewegungsprinzipien und flexible Reaktionen
entwickelt Ganzkörperkraft ohne ein sichtbares Muskelwachstum”