Medizinische Heilhypnose

  1. Die Geschichte der Hypnose
  2. Was ist Hypnose?
  3. Wie wird nun eine Therapie durchgeführt?
  4. Bei welchen Erkrankungen kann die Heilhypnose eingesetzt werden?
  5. Birgt eine Heilhypnose Gefahren in sich?
  6. Weitere Fragen
  7. Ausblick

1 Die Geschichte der Hypnose

Seit ca. 2000 Jahren vor Christi Geburt ist die Heilhypnose als Heilmethode urkundlich belegt. Im 17. Jahrhundert wiederentdeckt von dem Arzt Anton Messmer, später Cuè in Nancy, erlebte diese Therapieform wieder ein Aufleben. Sie blickt inzwischen auf eine fast 4000-jährige Geschichte zurück. Sie führt heute unberechtigterweise immer noch ein Schattendasein, weil durch Vorurteile nicht aufgeklärter Menschen immer noch „mystische“ Geschichten verbreitet werden und von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Da aber gerade in den letzten Jahren eine verstärkte Hinwendung zu natürlichen Heilmethoden besteht, erlebt gerade die Heilhypnose ein großes Comeback. Dieses spiegelt sich auch in den verstärkt angebotenen Kursen in “autogenem Training” wieder, dass ja seine Begründung in der Heilhypnose hat und eine Selbsthypnose darstellt. Es ist bekannt, dass nahezu alle Erkrankungen ihre Wurzeln in seelischen Belastungen haben, ohne dem Menschen bewusst zu sein.

Es ist daher wichtig, nicht das Symptom einer Krankheit zu behandeln, sondern stets nach der Ursache zu forschen. Wird die Ursache einer Krankheit aufgedeckt und entsprechend behandelt, verschwindet das Symptom von ganz allein. Durch die Heilhypnose werden die dafür erforderlichen Kräfte geweckt und zum Wohle des Menschen eingesetzt.

2 Was ist Hypnose?

Der Begriff Hypnose entstammt dem griechischen Wort „hypnos“ für Schlaf. Doch hat die medizinische Heilhypnose nichts mit dem Schlaf an sich gemeinsam. Sie hat auch nichts mit den hypnotischen Techniken zu Unterhaltungszwecken zu tun, bei der der Hypnotiseur (mystische) Fähigkeiten besitzt, die es ihm ermöglichen fremde Menschen zu willenlosen Geschöpfen zu machen.

Hypnose kann als ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsschärfe beschrieben werden, durch den dem Patienten der Zugang zu seinem Unterbewusstsein ermöglicht wird. Das Unterbewusstsein steuert in jedem Menschen mindestens 70% aller Lebensvorgänge; nur 30% werden durch den Willen beeinflusst. Dieses sind feststehende Zahlen, die anerkannt sind. Amerikanische Forscher gehen inzwischen soweit, dass sie behaupten, 90% aller Lebensvorgänge werden durch das Unbewusste gesteuert, nur 10% durch den Willen. Sie können sich nach einer Behandlung an alle Worte erinnern, die Ihnen Ihr Therapeut gesagt hat. Sie nehmen auch die Umweltgeräusche wahr, nur sie stören Sie nicht mehr. Der Erfolg der Hypnosetherapie besteht darin, dass durch entsprechende Formeln Ihr Unterbewusstsein im positiven Sinn neue Impulse erhält, die es dann später umsetzt.

Die Heilhypnose trägt nun dazu bei, Ihr Unterbewusstsein als Partner zu bekommen. Sie hat die Aufgabe, die im Unterbewusstsein eines Menschen verankerte negative Programmierung zu löschen und durch positive Elemente zu ersetzen. Wie stark das Unbewusste in Ihnen herrscht, haben Sie bestimmt schon oft erlebt. Gehen Sie eine aufkeimende Unruhe mit “ich will das nicht” an, so werden Sie erleben, dass die Unruhe zunimmt, also die negativen 70% stärker sind. Hier ist es dann wichtig, durch die Therapie umzulernen auf das “Wunschdenken”, z. B. “ich bin ganz ruhig”. In diesem Fall wirkt Ihr Denkimpuls positiv in Ihr Unbewusstes und kommt daher als Echo auch positiv zurück.

Schlechtes Beispiel: das Unterbewusstsein reagiert auch auf Verneinungen!!!! Wird oft anders behauptet, aber es funktioniert in der Hypnose so. Wenn ich z.B. jemandem in der tiefsten Stufe der Hypnose suggeriere, dass er eine bestimmte Person im Raum danach nicht mehr sieht, dann sieht er sie auch nicht mehr! Angst ist hierfür vielleicht ein besseres Beispiel („ich habe keine Angst“) funktioniert meist nicht. Erforscht man dagegen die unbewussten Ursachen für Angst, lässt so einen Zugang zum Unterbewusstsein entstehen und zieht dieses auf seine Seite, dann kann man die Angst mit solchen Suggestionen auch bekämpfen.

Sie sehen also, dass die Heilhypnose nichts “Unheimliches” an sich hat, sondern ein Ruhezustand ist, in dem Ihr Unterbewusstsein zugeschaltet ist und alles, was Ihnen gesagt wird, wird dort ähnlich einem Computer gespeichert. Alle positiven Suggestionen sind dann immer abrufbereit für Sie da.

3 Wie wird nun eine Therapie durchgeführt?

Der Patient legt sich ganz bequem auf eine Liege. Die Hypnose selbst wird durch unterschiedliche Suggestionstechniken hergestellt. Der Therapeut sitzt neben dem Patienten und fordert diesen auf, einen Gegenstand anzusehen, den er ihm über die Augen hält oder gleich die Augen zu schließen. Durch beruhigendes Einreden auf den Patienten kommt dieser dann in einen vertieften Ruhezustand in dem sein Unterbewusstsein mehr und mehr auftaucht. Je tiefer der Ruhezustand, um so weiter öffnet sich das Unterbewusstsein.

Körperlich spüren Sie eine angenehme Schwere und Wärme sowie eine herrliche Ruhe. In diesem Zustand erhalten Sie nun, je nach Ihrem Krankheitsbild, individuelle Suggestionen. Diese Suggestionen werden mehrmals wiederholt. Da Sie sich auch im Wachzustand an diese Formeln erinnern können, lernen Sie, anders zu denken. Diese positiven Denkimpulse lösen dann im Unbewussten die dort verankerten Heilsuggestionen aus. Am Ende der Therapie, die im Schnitt 45 Minuten dauert, zählt der Therapeut bis zu einer bestimmten Zahl, nach der Sie dann frisch und munter „aufwachen“.

Eine Therapie wird immer durch Bereitschaft zu Mitarbeit, Vertrauen, sowie Konzentrationsfähigkeit und Phantasie gefördert. Niemand kann gegen seinen Willen hypnotisiert werden, die Hypnose leitet der Patient selber ein durch seine Entspannung, Vertrauen und Loslassen. Dies dauert bei jedem Menschen unterschiedlich lange; daher sind verschiedene Anzahlen an Hypnose-Sitzungen nötig bis man in die tiefsten Trancen gelangt. In der Showhypnose werden immer nur Leute genommen, die leicht in Trance zu bringen sind, diese werden vorher ausgetestet. Zudem werden hier keine problematischen Krankheitsbilder behandelt…

4 Bei welchen Erkrankungen kann die Heilhypnose eingesetzt werden?

Mit dieser Therapie kann auf alle Organe des menschlichen Körpers Einfluss genommen werden. Zum Beispiel können Magen und Darmtätigkeit, die Herztätigkeit, der Blutdruck, die Drüsenfunktionen, die Muskel und Nerventätigkeiten sowie Empfindungen und Gefühlsleben beeinflusst werden.

Die hauptsächlichen Anwendungsgebiete führe ich hiermit stichwortartig auf:

Ängste (Lampenfieber, Platzangst, Prüfungs u. Schulängste usw.); allergische Erkrankungen, Bettnässen, Bewegungsstörungen, Empfindungsstörungen, Hauterkrankungen; funktionelle, nervöse Herzstörungen; Konzentrationsmangel; Lähmungen, auch Lähmungen nach Schlaganfall; Magen u. Darmerkrankungen (Colitis Ulcerosa, Magengeschwüre, Magersucht); Kopfschmerzen, Migräne; Schlafstörungen (Ein u. Durchschlafstörungen); Schmerzzustände verschiedener Art; seelische Störungen wie Depressionen usw.; Sexualstörungen wie Impotenz, Frigidität, sexuelle Verhaltensstörungen; Sprachstörungen (Stottern); Suchtkrankheiten (Fettsucht, Alkoholismus, Medikamentensucht, Drogensucht, Nikotinsucht); Stuhlverhaltung, Verbrennungen, Warzen; Zwangsneurosen.

Dies ist nur eine kleine Zusammenfassung der Indikationen für eine Hypnosetherapie. Ferner kann sie bei Operationen, Zahnbehandlungen und auch in der Geburtshilfe eingesetzt werden. Es ist immer ratsam, zumindest einen Therapieversuch zu unternehmen, wenn Medikamente nicht vertragen werden. Dauer einer Heilhypnosebehandlung ist im Schnitt 45 Minuten. Sie sollte 2 3 mal wöchentlich durchgeführt werden. Die Gesamtzahl der Sitzungen richtet sich immer nach den persönlichen Gegebenheiten und der Schwere der Erkrankung. Das Behandlungsschema wird immer individuell erstellt, die Abstände der Behandlungen werden dann später immer größer. Zusätzlich wird die Therapie durch individuell erstellte Behandlungskassetten unterstützt, die täglich einmal gehört werden sollen.

Oftmals wirkt die Heilhypnose stärker als jedes Medikament.

5 Birgt eine Heilhypnose Gefahren in sich?

Diese Frage wird oft gestellt. Sie ist aber auch ebenso schnell beantwortet. Bei sachgemäßer Anwendung durch einen geschulten Therapeuten keine. Warnen kann ich nur vor Laienbehandlern, die sich irgendwo eine Therapie angeeignet haben, aber nicht die nötigen medizinischen Kenntnisse besitzen, diese ordnungsgemäß durchzuführen, das heißt, die nötigen Voruntersuchungen vorzunehmen. Ich möchte aber doch auf einige Bedenken eingehen, die in den meisten Fällen durch falsche Darstellung in Filmen und in der Presse hervorgerufen werden:

6 Weitere Fragen

Hypnotisierbarkeit

Oft wird die Frage nach der Hypnotisierbarkeit gestellt. Hier wird oft davon ausgegangen, dass weniger intelligente Menschen leichter zu hypnotisieren bzw. zu therapieren sind als intelligentere. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Je intelligenter ein Mensch ist, um so leichter ist er zu therapieren.

Wer sollte nicht hypnotisiert werden?

Eine Heilhypnosebehandlung ist nicht angezeigt z.B. bei Kindern unter 6 Jahren, Menschen mit starken arteriosklerotischen Bewusstseinsstörungen, Psychosen und manischen Depressionen; auch ein sehr niedriger Blutdruck kann eine vorherige Therapie erforderlich machen, die den Blutdruck stabilisiert.

Verändert sich der Charakter durch Heilhypnose?

Eine Veränderung des Charakters durch Heilhypnose ist nicht möglich, da bei einer Heilhypnosebehandlung nur die Dinge durch den Therapeuten suggeriert werden, die der Patient sich selber wünscht. Charakterfremde Suggestionen würden außerdem nicht ausgeführt. Darin unterscheidet sich die Heilhypnose auch ganz stark von chemischen Arzneimitteln, die tatsächlich charakterverändernd wirken können.

Verrät der Patient in der Hypnose Dinge, die er nicht preisgeben möchte?

Normalerweise brauchen Sie während einer Heilhypnosebehandlung nicht zu sprechen. Sie hören nur dem zu, was Ihnen der Therapeut sagt. Sie können sich auch hinterher an alles erinnern, was Ihnen gesagt wurde. Nur in Ausnahmefällen, wenn es nötig ist, weit zurückliegende Ereignisse zu erkennen, die zu diesem Krankheitsbild geführt haben, ist das Fragestellen in der Therapie erforderlich. Dies erfolgt aber grundsätzlich in Absprache mit dem Patienten. Ohne Einwilligung des Patienten werden derartige Anamnesen nicht durchgeführt.

Ist es möglich, aus einer Heilhypnosebehandlung nicht wieder zu erwachen?

Sie werden grundsätzlich immer wieder erwachen. Wenn zum Beispiel der Therapeut vergessen würde, Sie zu wecken, ginge der hypnoide Zustand automatisch in einen normalen Nachtschlaf über, aus dem Sie immer wieder erwachen.

Nebenwirkungen und gesundheitliche Schäden durch Heilhypnose?

Diese Frage kann man mit ruhigem Gewissen mit “nein” beantworten. Im Gegenteil, durch die allgemeine Entspannung und Ruhe im Körper kommt es zu einem ganz natürlichen Heilreiz, das heißt, es werden auch Dinge im Körper positiv beeinflusst, die gar nicht mit der Behandlung angegangen wurden. Nur bei Patienten mit schlechter Konzentration tritt nach der Behandlung eine leichte Müdigkeit auf, die aber bald verschwindet. Das ist, wenn überhaupt, nur bei den ersten Behandlungen der Fall.

Kann man in Hypnose die Kontrolle über sich und seinen Körper verlieren?

Auch hier muss ich mit einem “Nein” antworten. Bei der Heilhypnose befinden Sie sich in einem vertieften Ruhezustand, in dem Sie alles um sich herum wahrnehmen können, miterleben und sich auch daran erinnern können. Sie sind nicht bewusstlos! Warnen kann ich Sie nur vor irgendwelchen “Schauhypnotiseuren”. Stellen Sie sich nie für solche dubiosen Versuche zur Verfügung, da unsachgemäße Anwendung Nachwirkungen haben kann.

Vereinbarkeit der Heilhypnose mit dem Glauben

Auch hier kann man ganz beruhigt sein. Es wird ja nichts anderes suggeriert, als das, was Sie sich wünschen. Durch Ihren Glauben an das Positive unterstützen Sie den Heilerfolg. Ich zitiere hier immer das Neue Testament, wo die Frau zu Jesus sagt: “Herr, ich danke dir, dass du mich geheilt hast!”. Daraufhin Jesus: “Nicht ich habe dich geheilt, sondern dein Glaube hat dich geheilt, deinem Glauben ist nichts unmöglich!” So gibt es viele Stellen im Neuen Testament, wo Jesus mit der guten Suggestion geheilt hat, das heißt, Heilimpulse im Körper des Gläubigen gesetzt hat. Aus diesem Grund kann die Heilhypnose auch von Strenggläubigen nicht nur als unbedenklich, sonder als eine seiner Haltung entsprechende Therapie angesehen werden. Ablehnen müsste man eher andere Therapieverfahren durch starke Medikamente, weil sie eine wirklich unkontrollierbare Beeinflussung des Menschen darstellen. Dagegen werden in Heilhypnose nur die gewünschten Suggestionen erteilt.

7 Ausblick

Ich hoffe, dass ich mit diesem kleinen Artikel dazu beitragen konnte, bestehende Vorurteile gegen die medizinsche Heilhypnose auszuräumen. Sie können sich wirklich in Ruhe Ihrem verantwortungsbewussten und sachkundigen Therapeuten anvertrauen. Mit seiner Hilfe und dieser hervorragenden Psychotherapie “Heilhypnose” werden Sie bestimmt so manche Hürde des Lebens leichter nehmen können. Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Peter Berg, Holzminden