Osteoporose & Mikronährstoffe

Das sich selbst Praktiker aus Ernährungs-Medizin (die es eigentlich besser wissen müssten!) bei ihren Empfehlungen zur Ostheoporoseprophylaxe und Therapie immer noch auf das Quartett Calcium, Vit.D, Fluor und Hormone beschränken ist bedauerlich. Zum Teil wird hier sogar auf das falsche Pferd gesetzt.

In der gegenwärtigen Diskussion um die Prophylaxe und Therapie der Osteoporose kommt es zu einer unbegründeten Fixierung auf milchgebundenes Kalzium sowie Östrogene bei gleichzeitiger Überbewertung technisch apparativer Diagnostik. Das Problem bei den Kuhmilchprodukten ist, dass sie viel Eiweiß und Kalzium enthalten, aber wenig Magnesium und andere Basen. Länder mit dem geringem oder fehlendem Verzehr von Kuhmilchproduktenhaben interessanterweise sehr niedrige Osteoporoseraten. Hier macht sich wieder einmal bemerkbar, wie stark unsere (subventionierte) Milch-Lobby in Deutschland ist.

Die Essenzialität von Fluor ist noch nicht belegt. Deshalb kann auch hier (wie bei verschiedenenen bioaktiven Nahrungsbestandteilen) nicht von eigentlichen Mangelsymptomen gesprochen werden. Untersuchungen und Beobachtungen weisen jedoch auf ein zell- und immunschädigendes Potential von Fluor hin, das durch den möglichen Nutzen in Kariesprophylaxe und Osteoporosetherapie wahrscheinlich nicht aufgewogen wird.

Ob Östrogen primärer Faktor zur Verhinderung der Osteoporose darstellt muss angezweifelt werden. Tatsache ist, das dass stärkste Knochenwachstum vor der Geschlechtreife (ohne Östrogen!) zu verzeichnen ist. Mit der Gabe künstlicher Östrogene sind nicht unerhebliche Risiken verbunden wie höheres Thrombose- und Krebsrisiko. Phytoöstrogene (z.B. aus Soja: in Soymax) sind hier eine sinnvolle und nebenwirkungsfreie Alternative. Frauen, die nach der Menopause reichlich Tofu, Sojabohnen und andere Sojaprodukte verzehrten, haben eine höhere Knochenmasse als Soja-Verächterinnen. Das zeigte eine Studie am Toride Kyodo General Hospital in Ibaraki, Japan.

Neben Calcium ist auch eine ausreichende Versorgung mit Magnesium in der Therapie und Prävention der Osteoporose von Großer Bedeutung (z.B. für Vit.D-Stoffwechsel). Etwa die Hälfte des menschlichen Magnesiumbestandes sind im Skelett gespeichert!

Magnesium gehört zu den unerlässlichen Mineralstoffen, die bei einer gesunden Knochenbildung eine wichtige Rolle spielen. Gerade, weil die Magnesiumversorgung mit der heute üblichen Nahrung nicht ausreichend ist, kann häufig Calcium nicht in die Knochenmatrix eingebaut werden. Deshalb sollten Magnesium und Calcium immer in einem physiologischen Verhältnis supplementiert werden. Natürliche Quellen von Magnesium sind dunkelgrüne Blattgemüse, Obst, Nüsse und Mandeln.

Weniger bekannt ist, dass die Qualität der Knochen neben Kalzium und Vitamin D auch von der optimalen Versorgung mit den Vitaminen und Spurenelementen abhängt:

Vitamin K1 ist ein Cofaktor bei der Synthese von Hydroxyapatit, indem es die Umwandlung von Glutaminsäure in Gamma-Carboxy-Glutaminsäure katalysiert. Letztere Verbindung bindet in Osteocalcin die für die Osteosynthese unerlässlichen Calciumionen. Bakterien einer gesunden Darmflora wären in der Lage, ausreichend Vitamin K (K2) zu bilden. Antibiotika, aber auch bestimmte blutverdünnende Medikamente (Cumarinderivate – z.B. Marcumar) behindern eine regelgerechte Vitamin K-Bildung, bzw. sind Vitamin K-Antagonisten.

Eisen, spielt zusammen mit Vitamin C eine zentrale Rolle beim Einbau der Aminosäuren L-Lysin, bzw. L-Prolin welche für die endgültige Struktur des Kollagens von Bedeutung sind. Eisen ist ein essentielles Spurenelement, d.h. für eine körpergerechte Eisenversorgung sind wir auf Zufuhr mit der Nahrung angewiesen.

Zink ist an der Struktur von mehr als 200 Enzymen beteiligt. Darüber hinaus ist es unerlässlich für die Bildung von Insulin in den Beta-Zellen der Pankreas. Ein Zinkmangel induziert einen Insulinmangel und deshalb eine verminderte Aufnahme von Aminosäuren, z.B. bei der Knochensynthese. Zink ist, wie sämtliche Spurenelemente, ein essentieller Nahrungsfaktor.

Des weiteren hängt der Knochenstoffwechsel von Mineralstoffen und Spurenelementen wie Kupfer, Mangan, Silicium, und Bor, welches sich reichlich in Nüssen und Beerenobst findet. Diese sind essentiell für den Stoffwechsel der Knochen.

Serotonin ist ein Neuropeptid des Zentralnervensystems. Neben anderen Aufgaben spielt es eine Rolle bei der Regulierung der Funktion von den Osteoklasten: Ein Serotoninmangel ruft eine erhöhte Osteoklastentätigkeit hervor. Weiterhin wird Serotonin in der Epiphyse bei der Synthese des “Schlafhormons” Melatonin benötigt. Dieses Hormon regelt den Schlaf-Wach-Rhythmus. Ohne Melatonin, und demnach ohne genügend ausgeprägte Tiefschlafphasen, wird weniger Wachstumshormon ausgeschüttet. Serotonin wird im Organismus aus seinem Vorläufer, der essentiellen Aminosäure L-Tryptophan gebildet.

Homocystein ist nicht nur ein Risikofaktor für Artheriosklerose sondern beeinträchtigt auch die Quervernetzung von Elastin und Kollagenfasern und spielt auch bei der Osteoporose eine pathogenetische Rolle. Bei unzureichender Versorgung mit Folsäure, Vit. B12 und Vit. B6 steigt der Homocysteinspiegel.

Weitere Anwärter für den Kampf gegen die Osteoporose sind das Spurenelement Strontium, das Phytoöstrogen Ipriflavon und körpereigenen Stoffe wie Creatin und Glucosaminsulfat. Sie alle scheinen die Remineralisierung des Knochens wesentlich beschleunigen.

Knochenauf- und abbau findet ständig statt. Mit Hilfe der soeben besprochenen Elemente und Verbindungen und den notwendigen Bewegungsreizen wird Knochengewebe ständig erneuert.

Muskelkontraktion und die Einwirkung der Schwerkraft auf den menschlichen Körper sind fundamentelle Reize für die Knochenerneuerung. Untersuchungen von Larsson e.a. aus dem Jahre 1991 zeigten, dass eine sich rhytmisch wiederholende Belastung des Knochenapparates von ca. 2 Sekunden Dauer den optimalen Reiz für die Knochensynthese bildet, während kontinuierliche Belastungen oder rhytmisch wiederholende Belastungen von 60 Sekunden länger die Knochensynthese hemmen.

Auf den den Durchschnittsbürger übertragen sind demnach Reize, wie Spaziergänge, Nordic Walking oder Training auf einem Minitrambolin sie darstellen, optimal, während statische Belastungsphasen (Kochen am Herd, Bedienen in einem Geschäft) oder Sitzen einen Reiz mit negativen Auswirkungen darstellen.