Ernährungstypen

Bei dem Versuch, das Gesamterscheinungsbild eines Menschen zu beschreiben, findet man immer wieder Merkmale, die auch auf andere Menschen zutreffen. Mann konnte bisher dabei vor allem nach verschiedenen Typen des Körperbaus und Verhaltenstypen unterscheiden.

Wenn man die Medizingeschichte verfolgt stellt man fest, dass sich die Medizinschulen der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit bis hin zu Beginn des 20. Jahrhunderts an verschiedenen Temperament bzw. Konstitutionstypenmodellen des Menschen orientierten. Diese dienten dem Zweck, sich dem Individuum Mensch in beschreibbaren und nachvollziehbaren Kategorien zu nähern. Konstitution kommt von dem lateinischen Wort „constitutia“ = Beschaffenheit. Medizinisch kann die Konstitution als individuelle Eigentümlichkeit eines Menschen verstanden werden, die durch Erbanlagen und Umwelteinflüsse geprägt wird. Griechische, indische, chinesische u. tibetische Medizin stellten Persönlichkeitstypisierungen auf. Während sich die griechische Viertemperamentenlehre (Choleriker, Sanguiniker, Phlegmatiker und Melancholiker) in unserer Kultur einer ungebrochenen Tradition erfreuen konnte, haben die fernöstlichen Konzepte erst in jüngerer Zeit ihren Weg zu uns gefunden.

In den späten siebziger Jahren erhielt die jahrelange Diskussion, ob die Erbanlagen oder die Erziehung einen Menschen zu dem machen, was er ist, einen neuen Impuls. Die Ergebnisse der von einigen Molekularbiologen betriebenen Zwillingsforschung legten nahe, dass es hauptsächlich die Gene sind, die uns beeinflussen, das Umfeld dagegen nur eine Nebenrolle spielt. Wir sind sozusagen wie die Festplatte eines Computers, auf der die geerbten Daten unlöschbar gespeichert sind.

Lange bevor sich die genetische Vererbungslehre entwickelte, hatten Ärzte der traditionellen indischen Heilkunde (Ayurveda) bereits erkannt, dass bestimmte Erbmerkmale häufig gekoppelt auftreten: Dunkelhäutige Menschen mit dunklem Haar haben meist braune Augen und keine blauen, eine feste Muskulatur tritt in Verbindung mit schweren Knochen und straffem Bindegewebe auf und so weiter. Die ayurvedischen Wissenschaftler vermuteten, dass diese Zusammensetzung bestimmter Eigenschaften das natürliche Gleichgewicht und die Selbstregulation des menschlichen Organismus fördert.

Heute können Wissenschaftler Menschentypen aus aller Welt erforschen und wir wissen, dass kein Mensch einem anderen in Größe, Gestalt und Eigenarten völlig gleicht. So hat sich der Stoffwechsel der in Kanada und Grönland lebenden Inuit über Generationen daran gewöhnt, täglich Walspeck und damit gesättigte Fettsäuren in großen Mengen zu verdauen, ohne dass dies nachteilige Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel hätte und die Arterien verstopfen würden. Der Nachteil dieser Ernährungsweise ist jedoch eine längere Blutungszeit bei Verletzungen und ein erhöhtes Osteoporoserisiko.

Ein anderes Beispiel geben die Chinesen: Die meisten von ihnen nehmen ihr Leben lang keine Milchprodukte zu sich, so dass sie nicht annähernd auf die empfohlene Tagesdosis von 1.000 mg Kalzium pro Tag kommen. Trotzdem hat China eine der niedrigsten Osteoporose Raten der ganzen Welt.

Viele Inder leben gesund mit einer vegetarischen Diät, die deutlich weniger Proteine enthält als die von westlichen Gesundheitsbehörden empfohlenen Mengen. Obwohl wir anders leben als unsere Urahnen (Fastfood, Computer, Kunstlicht, Zigaretten, Chlorchemie etc.), beeinflussen und steuern uns die damals entwickelten Merkmale noch immer. Die Tatsache, dass die Attribute, die einst unser überleben sicherten, ganz und gar nicht mehr zu unserem heutigen Lebensstil passen, erzeugt alle möglichen Probleme. Ein Beispiel ist die Furcht vor nicht existierenden Raubtieren, die an unseren cronisch erhöhten Adrenalin und/oder Cortisolspiegeln schuld ist.

Unser Körper funktioniert nach Gesetzmäßigkeiten, die in der Summe der biologischen Prozesse verankert sind. Dies soll an einigen Beispielen verdeutlicht werden:

Man spricht von einer anormalen radioaktiven Strahlung, der so genannten kosmischen Hintergrundstrahlung, die in Meereshöhe ungefähr 15 microSievert pro Stunde beträgt. Möglicherweise ist sie über Tausende von Jahren gleichgeblieben.

Vor den großen Wanderungen entwickelten sich viele Völker über Jahrhunderte innerhalb eines begrenzten Gebietes. Man ernährte sich von dem, was der heimatliche Boden hergab, und war wenig „neuartigen” Einflüssen ausgesetzt.

Man kann davon ausgehen, dass die meisten Bewohner der Niederlande biologisch auf die Verarbeitung von 15 microSievert pro Stunde programmiert waren. Radioaktive Strahlung ist eine Gammastrahlung und Gammastrahlen können unter anderem die Schleimhäute ernsthaft schädigen. Unser Körper synthetisiert bestimmte Enzyme (Katalase, Superoxiddismutase und Glutathionperoxidase), um die Gammastrahlung zu eliminieren. In den Hochgebirgen von Tibet ist die kosmische Hintergrundstrahlung viel stärker, denn sie nimmt zu, je höher wir in die Atmosphäre steigen. Bei starker kosmischer Hintergrundstrahlung oder Gammastrahlung müssten mehr Enzyme produziert werden als bei geringer.

Blutuntersuchungen zeigten jedoch, dass sich der Organismus der meisten Niederländer nicht auf die erhöhte Gammastrahlung durch Produktion höherer Enzymspiegel anpasste. Der Spiegel der genannten Enzyme ist bei Tibetern, die schon Jahrhunderte, Generation um Generation in dieser Höhe lebten, viel höher ist als bei den Niederländern, die auf Meereshöhe leben. Mit anderen Worten: Der Körper passt sich offenbar an die Umstände an, braucht dazu aber sehr viel Zeit, das heißt viele Generationen.

Obwohl an sich nicht gefährlich, wirkt sich auch die ionisierende Strahlung, die von Bildschirmen ausgeht, negativ auf unsere Gesundheit aus, denn wir sind noch nicht darauf eingerichtet. Tausende von Jahren war unser Körper keinem Extra an ionisierender Strahlung ausgesetzt und nun, seit fünfzehn oder zwanzig Jahren sitzt jeder Stunden und Stunden nacheinander vor dem Bildschirm, der viel mehr ionisierende Strahlung abgibt, als einige Individuen bewältigen können. Ähnlich wie radioaktive Strahlung wirkt sich auch ionisierende Strahlung auf die Schleimhäute aus, wenn auch in geringerem Maße..

Die Evolutionsbiologie erörtert, wie bestimmte Merkmale in grauer Vorzeit entstanden und zur Sicherung des Fortbestandes der menschlichen Rasse weitergegeben wurden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom Volkserbe.

Unter die Rubrik Volkserbe fällt z.B. auch, dass die Polynesier stärker zu Fettsucht neigen als andere Volksgruppen. Vor sehr langer Zeit wurden sie während ihrer ausgedehnten Schiffsreisen häufig von Hungersnöten gepackt, und wer etwas Fett auf den Rippen hatte, kam eher durch als magere Typen, anders als die Nordeuropäer, die aufgrund ihrer Eiszeiterfahrung besonders effektive Fettspeichermechanismen besitzen. Umgekehrt sind die Bewohner tropischer Länder häufig von Natur aus drahtig, weil zu viel Körperfett die Überlebenschancen in sehr heißen Klimazonen beeinträchtigt.

Diese scheinbaren Widersprüche weisen darauf hin, dass es kein bestimmtes Ernährungs und Bewegungsmuster gibt, das für alle Menschentypen ideal oder zumindest vernünftig wäre. Doch über zahllose Generationen hinweg hat sich die menschliche Physiologie durch Entwicklung und Mutation an verschiedene Umweltbedingungen angepasst. Die Spezies Mensch konnte überleben, weil ihr genetischer Pool die vielen verschiedenen Windungen der menschlichen Geschichte, denen sie ausgesetzt war, in sich aufgenommen hat. In jeder Zelle unseres Körpers ist diese Geschichte enthalten. Die Nährstoffbedürfnisse verschiedener Personen variieren genauso wie deren Gesichter oder Fingerabdrücke. Jeder Mensch braucht sein individuelles Programm.

Verschiedene Lebensumstände, körperliche Belastungsintensitäten und viele weitere Lebensvariablen ändern oft dramatisch den Nährstoffbedarf. Auch der Umstand, ob Sie in einer Gegend mit hoher oder niedriger Umweltverschmutzung leben, arbeiten und Sport treiben, hat wesentliche Auswirkungen auf ihren Nährstoffbedarf. Da unsere modernen Gesellschaften ein großer ethnischer Schmelztiegel sind und sich die meisten von uns nicht weiter mit der Erforschung der eigenen Herkunft beschäftigt haben, kann niemand genau wissen, welches Erbe der menschlichen Entwicklungsgeschichte für seine physiologischen Besonderheiten entscheidend sind. Deswegen sollten wir die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen um uns der für unseren genetischen Typ und unsere Lebenssituation passenden Ernährungform anzunähern. Neben Ansätzen aus traditioneller chinesischer Medizin (TCM) und Ayurveda lässt sich auch die Bestimmung des Stoffwechseltyps zur Ernährungsberatung einsetzen. Zur Bestimmung Ihres genauen Stoffwechseltyps sind 2 Tests erforderlich, die von Ihnen durchgeführt und von uns ausgewertet werden können: 1.) Messung der Speichelmenge zur Bestimmung des vegetativen Typs:

Für den Test benötigen Sie einen Plastikbecher und eine Briefwaage.

12 Stunden vor dem Test (über Nacht) nichts essen und nichts trinken, außer Leitungswasser, und nicht rauchen.

Am Tage des Tests morgens nicht duschen, nicht Zähneputzen, nicht eincremen, kein Deo und kein Parfum verwenden, nicht schminken.

Bereits einige Tage vor dem Test keine Medikamente, auch keine Hormonpräparate einnehmen. (Ergebnisse können aber auch erzielt werden, wenn Tabletten als Konstante eingebaut werden, nur nicht unmittelbar vor dem Test.)

Speichelmenge wird minütlich registriert, die Gesamtmenge einer halben Stunde ausgewertet.

Die Grundmenge Speichel, die in einer halben Stunde erzeugt wird, ist recht unterschiedlich. Sie drückt einerseits eine Individualität aus, weist aber auch auf Verschiebungen des vegetativen Gleichgewichts hin. Die produzierte Speichelmenge liegt im Durchschnitt zwischen 6 und 9 g in einem Zeitraum von 30 Minuten. Es ergaben sich Extremwerte von unter 1 g bis zu Werten Von 26 g; hier lagen gehäuft Störungen des Stoffwechsels und Krankheiten vor.

2.) Blutzuckertest zur Bestimmung des Verbrennungstyps:

Sie benötigen hierfür ein Blutzuckermessgerät und 60 g Traubenzucker, die in 340 ml Wasser aufgelöst werden müssen.

Es werden 3 Blutzuckermessungen benötigt. Hierbei erfolgt die erste Messung nüchtern, die zweite Messung 30 Minuten nach dem Trinken des in Wasser aufgelösten Traubenzuckers und die dritte Messung weitere 45 Minuten Später.

Der amerikanische Zahnarzt Dr. William Kelly war einer der Vorreiter einer modernen Stoffwechseltypenlehre und demonstrierte auch, dass Heilungsprozesse beschleunigt werden können, wenn individuelle Stoffwechselbedingungen und Nährstoffbedürfnisse berücksichtigt werden. Kelly konzentrierte sich hierbei vor allem auf den Einfluss des Vegetativen Nervensystems.

Wie in Teil I beschrieben überwiegt bei den meisten Menschen der eine oder der andere Zweig des Vegetativen Nervensystems und das Verbrennungssystem (das System, das für die Erzeugung von Energie in den Körperzellen zuständig ist, also der Zitronensäurezyklus, die Glykolyse und die Betaoxidation) ist entweder beschleunigt oder verlangsamt. In der Regel dominiert eines der beiden Systeme den Stoffwechsel!

Dies hat Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche des Stoffwechsels zum Beispiel im Säure Basen Haushalt und entscheidet darüber, ob ein Nahrungsmittel eher säureüberschüssig oder eher basenüberschüssig verstoffwechselt wird. Im Vegetativen Nervensystem wirkt der Sympathikus in Richtung säureüberschüssig, während der Parasympathikus in Richtung basenüberschüssig wirkt. Im Verbrennungssystem bewirkt eine beschleunigte Verbrennung einen Säureüberschuss, wohingegen eine langsame Verbrennung eine Verschiebung ins Basische bewirkt.

Dieses Prinzip wird als der “Dominanz Faktor” bezeichnet wird, wurde von Bill Wollcott, der über acht Jahre lang Dr. Kellys Assistent war, entdeckt. Bill Wolcott entwickelte ein sehr komplexes System (Healthexcel) zur genauen Bestimmung des individuellen Stoffwechseltyps, das hier in Deutschland von dem in Frankfurt lebenden Heilpraktiker Peter Königs vertreten wird.

Stoffwechselprofil I

Beim Sympaticus-dominaten Typ und beim Langsamverbrenner sollte die Ernährung wenig Fett und tierisches Eiweiß enthalten , aber reich an komplexen Kohlenhydraten und pflanzlichen Proteinquellen sein. Sie enthält neben anderen Nährstoffen viel Kalium und Magnesium, ist aber arm an Kalzium. Diese Ernährung erhöht die Verbrennungsrate des Langsamverbrenners, macht dessen tendenziell zu basisches Blut saurer und senkt dessen Blutzuckerspiegel. Das Blut des sympaticus-dominaten Typs wird hierdurch basischer und sein Blutzuckerspiegel erhöht.

Stoffwechselprofil II

Im Gegensatz dazu sind die Empfehlungen für den Vagus-dominanten Typ und den Schnellverbrenner so ausgerichtet, dass die Ernährung fett- und eiweißreich ist und wenig Kohlenhydrate enthält. Sie sollte neben anderen Nährstoffen relativ wenig Kalium und Magnesium, dafür aber reich an Kalzium sein. Diese Ernährung verlangsamt die Verbrennungsrate des Schnellverbrenners, macht sein Blut basischer und erhöht seinen Blutzuckerspiegel, während sie das Blut des Vagotonikers saurer macht und dessen Blutzuckerspiegel senkt.

Detaillierte Informationen und Ernährungspläne für die zuvor genannten Stoffwechselprofile finden Sie in dem Buch: Ihr Ernährungstyp von Ann Louise Gittleman, Windpferd Verlag, ISBN 3-89385-276-X

Die im Buch enthaltenen Fragebögen können als sinnvolle Erweiterung der beiden genannten Testmethoden Verwendung finden.

Die Leser, die sich für weitere Möglichkeiten zu Ermittlung Ihres individuellen Ernährungstyps interessieren, sollten sich mit dem „Body Code“ System des amerikanischen Ernährungswissenschaftlers Jay Cooper (Internet: greenvalleyspa.com) auseinandersetzen. Basierend auf den nachfolgend vorgestellten Klassifizierungssystemen unterscheidet Cooper vier genetisch bedingte Grundtypen und zeigt für jeden Typus die ideale Ernährungsweise und Bewegungsform auf. Sein Im Heyne Verlag erschienenes Buch enthält Fragebögen zur Ermittlung des persönlichen „Body-Typs“, viele Praktische Tipps und Rezepte.